Wohnungshaltung

Viele Halter unterschätzen den Platzbedarf von Kleinsittichen wie Wellensittichen, Grassittichen oder Bourkesittichen.

Diese aktiven, flugfreudigen Vögel sind keinesfalls für kleine Käfige geeignet. Wer sie in der Wohnung hält, muss ihnen ausreichend Raum und tägliche Bewegung bieten – sonst drohen Verhaltensstörungen und Gesundheitsprobleme.

Artgerechte Wohnungshaltung in Zimmervolieren

Kleinsittiche gehören in Zimmervolieren, nicht in Käfige. Nur dort haben sie genug Platz zum Fliegen, Klettern und zur sozialen Interaktion. Für eine paarweise Haltung gelten folgende Mindestanforderungen:

  • – Länge: 1,0 Meter
  • – Höhe: 0,5 Meter
  • – Breite: 0,5 Meter

Diese Maße dürfen nicht unterschritten werden.

Für jedes weitere Sittichpaar muss die Grundfläche um 50 % vergrößert werden. Nur so bleibt genug Raum für Rückzugsorte, Bewegung und friedliches Zusammenleben.

Täglicher Freiflug ist Pflicht

Selbst die vorgennanten Abmessungen oder sogare eine großzügigere Voliere ersetzen keinen Freiflug.

Auch Kleinsittiche brauchen täglich mehrere Stunden Freiflug in einem sicheren Raum. Dabei trainieren sie ihre Flugmuskulatur, stärken den Kreislauf und bauen Stress ab. Wer seine Vögel liebt, lässt sie regelmäßig fliegen – jeden Tag.

Warum Platz so entscheidend ist

Arten wie Wellensittiche, Bourkesittiche und Grassittiche sind von Natur aus Vielflieger, die in der freien Wildbahn täglich große Distanzen zurück legen.

Kleine Käfige verhindern nicht nur Bewegung, sondern führen auch schnell zu Langeweile, Aggression, Übergewicht und Federrupfen.

Eine ausreichend große Voliere mit strukturierter Einrichtung, unterschiedlichen Naturästen mit unterschiedlicher Einstreu sowie Klettermöglichkeiten – letzteres insbesondere für Wellensittiche – ist daher essenziell.

Ebenso wenig dürfen Möglichkeiten zum Verstecken fehlen, hier bieten sich z. B. Korkröhren an, die zusätzlich die Gelegenheit zum Nagen bieten.

Weiteres zum Thema Naturäste etc. findet sich in der Kategorie Bastelmaterial aus der Natur.

Notfallrücklage

Warum man für Sittiche – und natürlich auch Papageien – eine Notfallrücklage anlegen sollte.

Notwendigkeit der Rücklage für Tierarztkosten

Sittiche und Papageien sind faszinierende Haustiere, aber ihre medizinische Versorgung kann teuer werden. Seit der Erhöhung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) im Jahr 2022 haben sich viele Behandlungskosten deutlich gesteigert.

Eine Operation bei einem Wellensittich kostet schnell über 200 €, und ein mehrtägiger Aufenthalt in einer Tierklinik kann leicht mehrere Hundert Euro verschlingen.

Wer keine Rücklagen gebildet hat, steht im Ernstfall vor einer unangenehmen finanziellen Belastung – oder muss Entscheidungen treffen, die man später bereut.

Tierversicherung?

Es gibt zwar Tierversicherungen für Vögel, aber sie sind meist teuer und lückenhaft.

Wer mehrere Vögel hält, zahlt schnell hohe monatliche Beiträge, die sich auf Dauer kaum rechtfertigen lassen.

Deshalb entscheiden sich viele Halter bewusst gegen eine Versicherung und bauen stattdessen eine eigene finanzielle Reserve auf.

Persönliche Rücklage

Eine private Rücklage ist die vernünftigste Lösung, um unerwartete Tierarztkosten abzufangen.

Einrichtung der Notfallrücklage

Meine Empfehlung – diese habe ich auch selbst so umgesetzt:

  • je Sittich rund 10 € pro Monat
  • mindestens jedoch 25 € monatlich

Nach vier Jahren ergibt das eine solide Summe und – solange man in den 4 Jahren nicht darauf zurückgreifen musste.

Danach sollte man die Regel noch min. weitere 4 Jahre beibehalten. Anschließend kann man dann die monatliche Summe – wenn notwendig bzw. gewünscht – reduzieren

Wichtig ist, dass Entnahmen aus dieser Notfallrücklage – insbesondere während der ersten Jahre – wieder ausgeglichen werden.

Ebennso relevant: das Geld sollte auf einem separaten Konto liegen, auf das man im Alltag nicht zugreifst.

Verwendung nur für echte Notfälle

Die Rücklage dient ausschließlich für Notfälle, etwa bei:

  • plötzliche, schwere Erkrankung
  • Operation
  • Klinikaufenthalt

Normale Tierarztbesuche, Kotproben oder Nachkontrollen sollten weiterhin aus deinem monatlichen Haushaltsbudget bezahlt werden. So bleibt der Notfallfonds unberührt und kann wachsen.

Keine Entnahmen

Wenn über Jahre nichts aus der Rücklage entnommen werden musste, kann man – wie schon oben geschrieben – ggf. den monatlichen Betrag reduzieren.

Wichtig ist aber, die Rücklage weiter aktiv zu halten und weiterhin regelmäßig kleinere Beträge einzuzahlen. Denn nur so bleibt der Schutz langfristig bestehen..

Gefahren bei der Wohnungshaltung

Die Wohnungshaltung von Sittichen und Papageien bietet einige Gefahrenquellen. Anbei sind die wichtigsten aufgezählt, ohne Gewähr für Vollständigkeit.

Allgemeine Gefahrenquellen

Fenster und Spiegel
> dagegenfliegen, denn sie werden nicht als Hindernis erkannt
offene Fenster und (Wohnungs-)Türen
> entfliegen
Kabel
> anknabbern und dadurch Stromschlag- oder Brandgefahr
Zimmerpflanzen
> manche Zimmerpflanzen sind für Vögel oder auch andere Tiere giftig
> bitte selbst überprüfen, z. B. bei der Uni Zürich
Kerzen
> verbrennen oder Brandgefahr
Gardinen
> Vergiftung durch Bleibeschwerung
> hängenbleiben/strangulieren
Plastikbeutel und Verpackungen
> Erstickungsgefahr

Küche

Teflon (PTFE)-Beschichtungen
> Dämpfe bei Überhitzung sind in geringsten Mengen tödlich!!!
heiße Oberflächen
> Verbrennungsgefahr
giftige Lebensmittel
> Avocaodo, Schokolade, Zwiebeln, Knoblauch, Alkohol
Reinigungsmittel
> verschlucken
> Dämpfe können Atemwege schädigen

Bad

Reinigungsmittel
> verschlucken
> Dämpfe können Atemwege schädigen
Bleimittel und Schimmelentferner
> toxisch, auch in kleinen Mengen
Kosmentika, Haarspray, Parfum
> toxisch beim einatmen oder verschlucken
offenes Wasser
Ertrinkungsgefahr



Geeignete Materialien

Folgende Werkstoffe sind für Sittiche – und auch Papageien – sehr gut geeignet und nicht gesundheitsschädlich.

Edelstahl

Der einzige wirklich sichere Werkstoff für Käfige, Volieren, Näpfe, Halterungen etc. ist Edelstahl denn er ist

  • Ungiftig und frei von Schwermetallen
  • Rostfrei und beständig gegen Feuchtigkeit
  • Hygienisch und leicht zu reinigen
  • Langlebig, selbst bei täglicher Nutzung

Glasierte Ton- oder Keramiknäpfe

Für Futternäpfe oder Badeschalen können alternativ auch glasierte Ton- oder Keramiknäpfe verwendet werden.

Voraussetzung ist, dass die Glasur ist bleifrei und lebensmittelecht ist.

Ungeeignete Materialien

Käfige, Volieren, Näpfe oder Halterungen aus verzinktem Metall sowie mit Zink- oder Messingbeschichtungen für Sittiche – und insbesondere auch Papageien wegen der höheren Beißkraft nicht geeigent.

Beschichtungen

Durch das Benagen können sich kleinere Bestandteile der Beschichtung lösen, werden dann von den Sittichen und Papageien verschluckt und reichern sich im Körper an.

Zink

Insbesondere verzinkte Käfige oder Gitter sind gefährlich.

Blei

Ein weiteres gefährliches Schwermetall ist ist Blei. Dies findet sich z, B. in Beschwerungsbändern von Gardinen und in Lötstellen

Kupfer und Messing

Auch Kupfer oder Messing – z. B. als Beschichtung – können Schwermetallvergiftungen verursachen.

Pulverbeschichtungen oder Lackierungen

Pulverbeschichtete oder lackierte Käfige oder Volieren sind keine sichere Alternative. Abplatzende Beschichtungen oder minderwertige Legierungen setzen ebenfalls Schwermetalle frei.

Bleiglasuren

Ebenfalls ungeeignet sind Ton- oder Keramikgefäße als Trink- oder Badegefäße mit einer nicht-lebensmittelechten bzw. bleihaltigen Glasur.

Schwermetallvergiftung

Zink, Blei, Kupfer und Messing können schwere Schwermetallvergiftungen auslösen. Der Nachweis gelingt nur durch eine Blut- und /oder Röntgenuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt. Ohne – in aktuten Fällen – schnelle Behandlung endet eine Schwermetallvergiftung meist tödlich.

Symptome einer Schwermetallvergiftung

können u. a. sein:

  • ständiger Durst
  • Lustlosigkeit
  • Schwäche
  • Zittern
  • Verlust koordinierter Bewegungen
  • Krampfanfälle
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