Anzeichen einer Erkrankung

Sittiche sind von Natur aus Fluchttiere und verbergen Krankheiten instinktiv so lange wie möglich. Wenn ein Sittich Krankheitszeichen zeigt, ist er oft bereits ernsthaft erkrankt – schnelles Handeln ist dann wichtig.

Allgemeine Warnsignale

  • aufgeplustertes Gefieder, auch außerhalb der Schlafzeit
  • Apathie, Teilnahmslosigkeit, gesenkter Kopf
  • reduzierte oder fehlende Futteraufnahme
  • veränderter oder fehlender Kotabsatz
  • Gewichtsverlust (regelmäßiges Wiegen empfehlenswert)
  • geschwollene Augen oder Nasenausfluss

Atemwege

  • Schwanzwippen beim Atmen
  • hörbare Atemgeräusche, Keuchen, Schnarchen
  • offener Schnabel in Ruhe

Gefieder und Haut

  • Federrupfen oder -fressen
  • fehlende, deformierte oder stumpfe Federn außerhalb der Mauser
  • Verfärbungen oder Schwellungen der Haut

Verdauung

  • Durchfall oder ungewöhnlich weicher Kot
  • verfärbter Kot (grün, schwarz, blutig)
  • aufgeblähter Bauch

Verhalten

  • plötzliche Aggressivität oder umgekehrt ungewöhnliche Zutraulichkeit
  • Desorientiertheit, Gleichgewichtsprobleme, Krampfanfälle
  • Rückzug von Artgenossen

Was tun?

Bei einem oder mehreren dieser Anzeichen sofort einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen – nicht abwarten!

„Megabakterien“

Macrorhabdus ornithogaster – früher fälschlicherweise als „Megabakterium“ bezeichnet – ist kein Bakterium, sondern ein Hefepilz, der den Magen-Darm-Trakt befällt. Besonders häufig betroffen sind Wellensittiche, aber auch andere Kleinsittiche können erkranken.

Ansteckung

  • Übertragung über Kot und kontaminiertes Futter oder Wasser.
  • Häufig bereits bei Jungtieren durch die Eltern übertragen.
  • Stress kann zum Ausbruch einer latenten Infektion führen.
  • Der Erreger ist weit verbreitet – viele Vögel sind Träger ohne zu erkranken.

Typische Symptome

  • Gewichtsverlust trotz normaler oder erhöhter Futteraufnahme.
  • Unverdaute Körner im Kot – ein typisches und häufiges Warnsignal.
  • Erbrechen oder Würgen.
  • Aufgeplustertes Gefieder, Apathie.
  • Geschwollener Bauch bei starkem Befall.
  • Der Verlauf kann chronisch über Monate gehen, bevor eindeutige Symptome auftreten.

Diagnose

  • Nachweis durch Kotuntersuchung oder Magenspülung beim vogelkundigen Tierarzt.
  • Da die Symptome unspezifisch sind, wird Megabakteriose oft erst spät erkannt – bei Verdacht frühzeitig zum Tierarzt.

Behandlung und Prognose

  • Behandlung mit Amphotericin B nach tierärztlicher Anweisung.
  • Eine vollständige Heilung ist nicht immer möglich – chronische Verläufe sind häufig.
  • Frühzeitige Diagnose verbessert die Prognose deutlich.
  • Alle Vögel im Bestand sollten untersucht werden.
  • Stressreduktion unterstützt die Behandlung.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung mit Kotuntersuchung bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Stressreduktion, da Stress den Ausbruch begünstigt.
  • Keine Zucht mit infizierten Tieren!

Federlinge

Federlinge sind dauerhafte Bewohner des Gefieders und ernähren sich von Federsubstanz und Hautschuppen.

Ansteckung

  • Ausschließlich durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren.
  • Häufig bereits bei Jungtieren durch die Eltern übertragen.
  • Federlinge können außerhalb des Wirts nicht lange überleben.

Typische Symptome

  • Stumpfes, zerzaustes Gefieder außerhalb der Mauser.
  • Häufiges Kratzen und übermäßiges Putzen.
  • Beschädigte oder angenagten Federn bei genauer Inspektion.
  • Sichtbare kleine Insekten bei Durchsicht des Gefieders.

Diagnose

  • Nachweis durch genaue Inspektion des Gefieders, ggf. mit Lupe.
  • Bestätigung durch vogelkundigen Tierarzt.

Behandlung und Prognose

  • Behandlung mit geeigneten Antiparasitika nach tierärztlicher Anweisung.
  • Bei rechtzeitiger Behandlung gut therapierbar.
  • Alle Vögel im Bestand sollten untersucht und ggf. behandelt werden.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Regelmäßige Sichtkontrollen des Gefieders.
  • Keine Zucht mit befallenen Tieren!

Räudemilben

Räudemilben (Knemidocoptes) graben sich in Haut und Gewebe ein und verursachen die sogenannte Räude. Besonders häufig betroffen sind Wellensittiche und Nymphensittiche.

Ansteckung

  • Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren.
  • Häufig bereits bei Jungtieren durch die Eltern übertragen.
  • Räudemilben können kurzzeitig auch ohne Wirt überleben.

Typische Symptome

  • Krustiger, schwammiger Belag an Wachshaut, Schnabel, Beinen und Füßen.
  • Typisches „Bienenwaben“-Muster an betroffenen Stellen.
  • In fortgeschrittenen Fällen Schnabelverformungen.
  • Betroffene Vögel kratzen sich häufig.

Diagnose

  • Diagnose meist bereits durch das typische Erscheinungsbild möglich.
  • Bestätigung durch vogelkundigen Tierarzt, ggf. Hautgeschabsel.

Behandlung und Prognose

  • Behandlung mit Ivermectin nach tierärztlicher Anweisung.
  • Bei früher Behandlung gute Heilungschancen.
  • Fortgeschrittene Schnabelverformungen sind jedoch irreversibel – frühzeitiges Handeln ist daher wichtig.
  • Alle Vögel im Bestand sollten untersucht werden.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Regelmäßige Sichtkontrollen von Wachshaut, Schnabel, Beinen und Füßen.
  • Keine Zucht mit befallenen Tieren!

Vogelmilben

Vogelmilben (Dermanyssus gallinae) sind nachtaktive Blutsauger, die tagsüber in Ritzen, Spalten und Holzteilen der Voliere versteckt sind und nachts die Vögel befallen.

Ansteckung

  • Einschleppung durch Neuzugänge, Wildvögel oder kontaminiertes Zubehör.
  • Sie können wochenlang ohne Wirt überleben.

Typische Symptome

  • Vögel wirken unruhig, schlafen schlecht, kratzen sich häufig.
  • Blutarmut bei starkem Befall, besonders gefährlich für Jungtiere.
  • Sichtbare kleine rote oder schwarze Punkte auf hellem Untergrund.

Diagnose

  • Nächtliche Kontrolle mit Taschenlampe.
  • Weißes Tuch über Nacht über den Käfig legen – Milben hinterlassen rötliche Spuren.
  • Nachweis durch vogelkundigen Tierarzt.

Behandlung und Prognose

  • Behandlung des Vogels und der gesamten Umgebung notwendig – nur den Vogel zu behandeln reicht nicht.
  • Geeignete Antiparasitika nach tierärztlicher Anweisung.
  • Reinigung und Desinfektion aller Volierenteile, Ritzen und Spalten.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Bei Außenhaltung: Kontakt zu Wildvögeln möglichst vermeiden
    (z. B. durch geschützte Volieren).
  • Keine Zucht mit befallenen Tieren!

Spulwürmer und Fadenwürmer

Erreger

Spulwürmer (Ascaridia) und Haarwürmer (Capillaria) gehören zu den häufigsten Wurmparasiten bei Sittichen und Papageien, insbesondere bei Außenhaltung.

Ansteckung

  • Übertragung über kontaminierten Kot (Wurmeier) möglich,.
  • Aufnahme kann über verschmutztes Futter, Wasser oder Bodengrund erfolgen.
  • Des Weiteren durch Schmierinfektion über die Umgebung
    (z. B. Volierenboden, Sitzstangen).

Typische Symptome

  • Gewichtsverlust trotz normaler Futteraufnahme.
  • Durchfall (blutiger Kot ist selten).
  • Apathie, aufgeplustertes Gefieder.
  • Bei starkem Befall: geschwollener Bauch oder Verdauungsprobleme.
  • Wichtig: Leichter Befall bleibt oft unbemerkt (keine sichtbaren Symptome).
  • Jungtiere und geschwächte Vögel sind besonders gefährdet

Diagnose und Behandlung

  • Nachweis durch Kotuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt (Sammelkotprobe sinnvoll).
  • Behandlung mit geeigneten Entwurmungsmitteln (Anthelmintika) nur nach tierärztlicher Anweisung.
  • Keine routinemäßige Entwurmung ohne Nachweis.
  • Bei Befall sollten alle Tiere im Bestand berücksichtigt werden.
  • Bei frühzeitiger Behandlung bestehen gute Heilungschancen.

Vorsorge

  • Nachweis durch Kotuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt.
  • Behandlung mit Anthelmintika (Entwurmungsmittel) nach tierärztlicher Anweisung.
  • Bei früher Behandlung gute Heilungschancen.
  • Alle Vögel im Bestand sollten untersucht und ggf. behandelt werden.

Kokzidien

Erreger

Kokzidien sind einzellige Darmparasiten (häufig Arten der Gattung Eimeria), die den Verdauungstrakt befallen. Besonders gefährdet sind Jungtiere sowie geschwächte Vögel.

Ansteckung

  • Übertragung erfolgt über kontaminierten Kot (Schmierinfektion).
  • Ebenfalls durch Aufnahme über verschmutztes Futter, Wasser oder Oberflächen
    (z. B. Sitzstangen, Volierenboden).
  • Oozysten (Dauerstadien) sind sehr widerstandsfähig und lange infektiös.
  • Stress, schlechte Hygiene und feuchte Umgebung begünstigen den Ausbruch.

Typische Symptome

  • Durchfall, teils schleimig (bei schweren Verläufen auch blutig).
  • Apathie und Futterverweigerung.
  • Gewichtsverlust.
  • bei Jungtieren: hohe Sterblichkeit ohne schnelle Behandlung.

Diagnose und Prognose

  • Nachweis durch Kotuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt
    (Sammelkotprobe über mehrere Tage sinnvoll).
  • Behandlung mit Kokzidiostatika nach tierärztlicher Anweisung.
  • Wichtig: Konsequente Hygiene während der Behandlung, um Reinfektionen zu vermeiden.
  • Bei frühzeitiger Behandlung haben adulte, stabile Tiere meist gute Heilungschancen.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung mit Kropfabstrich bei Neuzugängen.
  • Regelmäßige Reinigung von Voliere, Sitzstangen und Näpfen.
  • Feuchtigkeit vermeiden (trockene Umgebung!).
  • Bestände nicht überbesetzen (Stressfaktor reduzieren).

Trichomonaden

Erreger

Trichomonaden sind Protozoen (Geißeltierchen), die den Rachen, den Kropf und sowie den oberen Verdauungstrakt befallen. Bei Sittichen ist vor allem Trichomonas gallinae relevant.

Ansteckung

  • Übertragung erfolgt über kontaminiertes Wasser oder Futter.
  • Häufig bei der Fütterung von Jungtieren durch infizierte Eltern.
  • Ebenso durch direkte Schnabel-zu-Schnabel-Fütterung (Partnerfüttern!).

Typische Symptome

  • Schluckbeschwerden, häufiges Schütteln des Kopfes, Würgen und Erbrechen.
  • Weißlich-gelbliche Beläge im Rachen oder Kropf.
  • Typischer „fauliger Geruch“ aus dem Schnabel.
  • Gewichtsverlust und/oder Apathie.

Diagnose und Prognose

  • Nachweis durch Kropfabstrich beim vogelkundigen Tierarzt.
  • Behandlung mit Metronidazol oder Ronidazol möglich, aber die Dosierung ist wichtig.
  • Bei früher Behandlung bestehen gute Heilungschancen.
  • Alle Vögel im Bestand sollten behandelt werden.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung mit Kropfabstrich bei Neuzugängen.
  • Regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Näpfe.
  • Keine Zucht mit infizierten Tieren!

Psittakose (Papageienkrankheit)

Erreger


Das intrazelluläre Bakterium iChlamydia psittaci (früher auch Chlamydophila psittaci) verursacht bei Sittichen und Papageien die sogenannte Psittakose (Papageienkrankheit).

Ansteckung

  • Übertragung über Kot, Federstaub, Nasensekret und Augensekret.
  • Auch über die Luft übertragbar (getrockneter Kot, Staub).
  • Wichtig: Übertragung auf Menschen möglich – insbesondere für immungeschwächte Personen gefährlich (Zoonose).

Typische Symptome

  • Atemwegsprobleme, Nasenausfluss, Augenentzündungen
  • Durchfall, oft gelblich-grüner Kot
  • Apathie und Futterverweigerung
  • Gewichtsverlust

Diagnose und Prognose

  • Nachweis über Kloakenabstrich, Rachenabstrich oder Kotprobe (oft sind mehrere Proben bzw. PCR-Tests nötig).
  • Behandlung erfolgt mit Antibiotika (meist Doxycyclin) über einen längeren Zeitraum (in der Regel mehrere Wochen).
  • Wichtig: Der gesamte Bestand muss behandelt werden.
  • Bei frühzeitiger Behandlung bestehen gute Heilungschancen.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung – ggf. mit Tests – bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Keine Zucht mit infizierten Tieren!

Rechtliches

  • Psittakose ist in Deutschland meldepflichtig nach der Psittakose-Verordnung!
  • Die Meldung erfolgt in der Regel durch den behandelnden Tierarzt

Cirkoviren (PBFD)

Erreger

Die hochansteckenden Cirkoviren verursachen bei Sittichen und Papageien PBFD (Psittacine Beak and Feather Disease) bzw. die Schnabel‑ und Federkrankheit. Sie kommen weltweit vor.

Ansteckung

  • Die Übertragung erfolgt vor allem über Federstaub, Kot und bei der Fütterung von Jungtieren durch die Eltern.

Typische Symptome

  • Abnormer Federverlust, fehlende, deformierte sowie brüchige Federn. Diese Symptome verschlimmern sich von Mauser zu Mauser.
  • Missbildungen an Schnabel und Krallen, übermäßiges Wachstum, Verfärbungen und Brüchigkeit.
  • Ein geschwächtes Immunsystem mit häufigen Sekundärinfektionen durch Bakterien oder Pilze.

Diagnose und Prognose

  • Ein sicherer Nachweis ist nur durch einen entsprechenden Test auf Cirkoviren möglich.
  • Es gibt keine Therapie gegen das Virus. Behandelt werden v. a. Sekundärinfektionen und es erfolgt eine verbesserte Nährstoffversorgung.
  • Ebenso ist eine konsequente Hygiene notwendig, da die Viren in der Umgebung lange überlebensfähig sind und so die Wiederansteckung und Verbreitung eingedämmt wird.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung – ggf. mit Tests – bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Keine Zucht mit infizierten Sittichen und Papageien!
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