Federlinge

Federlinge sind dauerhafte Bewohner des Gefieders und ernähren sich von Federsubstanz und Hautschuppen.

Ansteckung

  • Ausschließlich durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren.
  • Häufig bereits bei Jungtieren durch die Eltern übertragen.
  • Federlinge können außerhalb des Wirts nicht lange überleben.

Typische Symptome

  • Stumpfes, zerzaustes Gefieder außerhalb der Mauser.
  • Häufiges Kratzen und übermäßiges Putzen.
  • Beschädigte oder angenagten Federn bei genauer Inspektion.
  • Sichtbare kleine Insekten bei Durchsicht des Gefieders.

Diagnose

  • Nachweis durch genaue Inspektion des Gefieders, ggf. mit Lupe.
  • Bestätigung durch vogelkundigen Tierarzt.

Behandlung und Prognose

  • Behandlung mit geeigneten Antiparasitika nach tierärztlicher Anweisung.
  • Bei rechtzeitiger Behandlung gut therapierbar.
  • Alle Vögel im Bestand sollten untersucht und ggf. behandelt werden.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Regelmäßige Sichtkontrollen des Gefieders.
  • Keine Zucht mit befallenen Tieren!

Räudemilben

Räudemilben (Knemidocoptes) graben sich in Haut und Gewebe ein und verursachen die sogenannte Räude. Besonders häufig betroffen sind Wellensittiche und Nymphensittiche.

Ansteckung

  • Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren.
  • Häufig bereits bei Jungtieren durch die Eltern übertragen.
  • Räudemilben können kurzzeitig auch ohne Wirt überleben.

Typische Symptome

  • Krustiger, schwammiger Belag an Wachshaut, Schnabel, Beinen und Füßen.
  • Typisches „Bienenwaben“-Muster an betroffenen Stellen.
  • In fortgeschrittenen Fällen Schnabelverformungen.
  • Betroffene Vögel kratzen sich häufig.

Diagnose

  • Diagnose meist bereits durch das typische Erscheinungsbild möglich.
  • Bestätigung durch vogelkundigen Tierarzt, ggf. Hautgeschabsel.

Behandlung und Prognose

  • Behandlung mit Ivermectin nach tierärztlicher Anweisung.
  • Bei früher Behandlung gute Heilungschancen.
  • Fortgeschrittene Schnabelverformungen sind jedoch irreversibel – frühzeitiges Handeln ist daher wichtig.
  • Alle Vögel im Bestand sollten untersucht werden.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Regelmäßige Sichtkontrollen von Wachshaut, Schnabel, Beinen und Füßen.
  • Keine Zucht mit befallenen Tieren!

Vogelmilben

Vogelmilben (Dermanyssus gallinae) sind nachtaktive Blutsauger, die tagsüber in Ritzen, Spalten und Holzteilen der Voliere versteckt sind und nachts die Vögel befallen.

Ansteckung

  • Einschleppung durch Neuzugänge, Wildvögel oder kontaminiertes Zubehör.
  • Sie können wochenlang ohne Wirt überleben.

Typische Symptome

  • Vögel wirken unruhig, schlafen schlecht, kratzen sich häufig.
  • Blutarmut bei starkem Befall, besonders gefährlich für Jungtiere.
  • Sichtbare kleine rote oder schwarze Punkte auf hellem Untergrund.

Diagnose

  • Nächtliche Kontrolle mit Taschenlampe.
  • Weißes Tuch über Nacht über den Käfig legen – Milben hinterlassen rötliche Spuren.
  • Nachweis durch vogelkundigen Tierarzt.

Behandlung und Prognose

  • Behandlung des Vogels und der gesamten Umgebung notwendig – nur den Vogel zu behandeln reicht nicht.
  • Geeignete Antiparasitika nach tierärztlicher Anweisung.
  • Reinigung und Desinfektion aller Volierenteile, Ritzen und Spalten.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Bei Außenhaltung: Kontakt zu Wildvögeln möglichst vermeiden
    (z. B. durch geschützte Volieren).
  • Keine Zucht mit befallenen Tieren!

Spulwürmer und Fadenwürmer

Erreger

Spulwürmer (Ascaridia) und Haarwürmer (Capillaria) gehören zu den häufigsten Wurmparasiten bei Sittichen und Papageien, insbesondere bei Außenhaltung.

Ansteckung

  • Übertragung über kontaminierten Kot (Wurmeier) möglich.
  • Aufnahme kann über verschmutztes Futter, Wasser oder Bodengrund erfolgen.
  • Des Weiteren durch Schmierinfektion über die Umgebung
    (z. B. Volierenboden, Sitzstangen).

Typische Symptome

  • Gewichtsverlust trotz normaler Futteraufnahme.
  • Durchfall (blutiger Kot ist selten).
  • Apathie, aufgeplustertes Gefieder.
  • Bei starkem Befall: geschwollener Bauch oder Verdauungsprobleme.
  • Wichtig: Leichter Befall bleibt oft unbemerkt (keine sichtbaren Symptome).
  • Jungtiere und geschwächte Vögel sind besonders gefährdet

Diagnose und Behandlung

  • Nachweis durch Kotuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt (Sammelkotprobe sinnvoll).
  • Behandlung mit geeigneten Entwurmungsmitteln (Anthelmintika) nur nach tierärztlicher Anweisung.
  • Keine routinemäßige Entwurmung ohne Nachweis.
  • Bei Befall sollten alle Tiere im Bestand berücksichtigt werden.
  • Bei frühzeitiger Behandlung bestehen gute Heilungschancen.

Vorsorge

  • Nachweis durch Kotuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt.
  • Behandlung mit Anthelmintika (Entwurmungsmittel) nach tierärztlicher Anweisung.
  • Bei früher Behandlung gute Heilungschancen.
  • Alle Vögel im Bestand sollten untersucht und ggf. behandelt werden.

Kokzidien

Erreger

Kokzidien sind einzellige Darmparasiten (häufig Arten der Gattung Eimeria), die den Verdauungstrakt befallen. Besonders gefährdet sind Jungtiere sowie geschwächte Vögel.

Ansteckung

  • Übertragung erfolgt über kontaminierten Kot (Schmierinfektion).
  • Ebenfalls durch Aufnahme über verschmutztes Futter, Wasser oder Oberflächen
    (z. B. Sitzstangen, Volierenboden).
  • Oozysten (Dauerstadien) sind sehr widerstandsfähig und lange infektiös.
  • Stress, schlechte Hygiene und feuchte Umgebung begünstigen den Ausbruch.

Typische Symptome

  • Durchfall, teils schleimig (bei schweren Verläufen auch blutig).
  • Apathie und Futterverweigerung.
  • Gewichtsverlust.
  • bei Jungtieren: hohe Sterblichkeit ohne schnelle Behandlung.

Diagnose und Prognose

  • Nachweis durch Kotuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt
    (Sammelkotprobe über mehrere Tage sinnvoll).
  • Behandlung mit Kokzidiostatika nach tierärztlicher Anweisung.
  • Wichtig: Konsequente Hygiene während der Behandlung, um Reinfektionen zu vermeiden.
  • Bei frühzeitiger Behandlung haben adulte, stabile Tiere meist gute Heilungschancen.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung mit Kropfabstrich bei Neuzugängen.
  • Regelmäßige Reinigung von Voliere, Sitzstangen und Näpfen.
  • Feuchtigkeit vermeiden (trockene Umgebung!).
  • Bestände nicht überbesetzen (Stressfaktor reduzieren).

Trichomonaden

Erreger

Trichomonaden sind Protozoen (Geißeltierchen), die den Rachen, den Kropf und sowie den oberen Verdauungstrakt befallen. Bei Sittichen ist vor allem Trichomonas gallinae relevant.

Ansteckung

  • Übertragung erfolgt über kontaminiertes Wasser oder Futter.
  • Häufig bei der Fütterung von Jungtieren durch infizierte Eltern.
  • Ebenso durch direkte Schnabel-zu-Schnabel-Fütterung (Partnerfüttern!).

Typische Symptome

  • Schluckbeschwerden, häufiges Schütteln des Kopfes, Würgen und Erbrechen.
  • Weißlich-gelbliche Beläge im Rachen oder Kropf.
  • Typischer „fauliger Geruch“ aus dem Schnabel.
  • Gewichtsverlust und/oder Apathie.

Diagnose und Prognose

  • Nachweis durch Kropfabstrich beim vogelkundigen Tierarzt.
  • Behandlung mit Metronidazol oder Ronidazol möglich, aber die Dosierung ist wichtig.
  • Bei früher Behandlung bestehen gute Heilungschancen.
  • Alle Vögel im Bestand sollten behandelt werden.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung mit Kropfabstrich bei Neuzugängen.
  • Regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Näpfe.
  • Keine Zucht mit infizierten Tieren!

Psittakose (Papageienkrankheit)

Erreger


Das intrazelluläre Bakterium Chlamydia psittaci (früher auch Chlamydophila psittaci) verursacht bei Sittichen und Papageien die sogenannte Psittakose (Papageienkrankheit).

Ansteckung

  • Übertragung über Kot, Federstaub, Nasensekret und Augensekret.
  • Auch über die Luft übertragbar (getrockneter Kot, Staub).
  • Wichtig: Übertragung auf Menschen möglich – insbesondere für immungeschwächte Personen gefährlich (Zoonose).

Typische Symptome

  • Atemwegsprobleme, Nasenausfluss, Augenentzündungen
  • Durchfall, oft gelblich-grüner Kot
  • Apathie und Futterverweigerung
  • Gewichtsverlust

Diagnose und Prognose

  • Nachweis über Kloakenabstrich, Rachenabstrich oder Kotprobe (oft sind mehrere Proben bzw. PCR-Tests nötig).
  • Behandlung erfolgt mit Antibiotika (meist Doxycyclin) über einen längeren Zeitraum (in der Regel mehrere Wochen).
  • Wichtig: Der gesamte Bestand muss behandelt werden.
  • Bei frühzeitiger Behandlung bestehen gute Heilungschancen.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung – ggf. mit Tests – bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Keine Zucht mit infizierten Tieren!

Rechtliches

  • Psittakose ist in Deutschland auch nach der Aufhebung der Psittakose-Verordnung am 17.10.2012 weiterhin meldepflichtig, jetzt nach dem Infektionsschutzgesetz!
  • Die Meldung erfolgt in der Regel durch den behandelnden Tierarzt

Circoviren (PBFD)

Erreger

Die hochansteckenden Circoviren verursachen bei Sittichen und Papageien PBFD (Psittacine Beak and Feather Disease) bzw. die Schnabel‑ und Federkrankheit. Sie kommen weltweit vor.

Ansteckung

  • Übertragung über Kot, Federstaub sowie Nasen- und Augensekrete
  • Ansteckung häufig über die Luft (z. B. durch getrockneten Kot und Staub)
  • Übertragung auf Menschen möglich – auch gesunde Personen können erkranken, besonders gefährdet sind immungeschwächte Menschen

Typische Symptome

  • Abnormer Federverlust, fehlende, deformierte sowie brüchige Federn. Diese Symptome verschlimmern sich von Mauser zu Mauser.
  • Missbildungen an Schnabel und Krallen, übermäßiges Wachstum, Verfärbungen und Brüchigkeit.
  • Ein geschwächtes Immunsystem mit häufigen Sekundärinfektionen durch Bakterien oder Pilze.

Diagnose und Prognose

  • Ein sicherer Nachweis ist nur durch einen entsprechenden Test auf Circoviren möglich.
  • Es gibt keine Therapie gegen das Virus. Behandelt werden v. a. Sekundärinfektionen und es erfolgt eine verbesserte Nährstoffversorgung.
  • Ebenso ist eine konsequente Hygiene notwendig, da die Viren in der Umgebung lange überlebensfähig sind und so die Wiederansteckung und Verbreitung eingedämmt wird.

Vorsorge

  • Neuzugänge grundsätzlich in Quarantäne halten (mindestens 2–4 Wochen)
  • Eingangsuntersuchung – ggf. mit Tests – bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Keine Zucht mit infizierten Sittichen und Papageien!

Polyomavirus (APV)

Erreger

Polyomaviren sind hochansteckende Viren, an denen bei Sittichen und Papageien vor allem Jungtiere schwer erkranken können und die im Zusammenhang mit der „Französischen Mauser“ (Rennerkrankheit) oder dem „Budgeriger Fledgling Disease Virus (BFDV)“ bekannt sind.

Besonders betroffen sind Wellensittiche und Agaporniden. Es können sich aber auch Aras und Edelpapageien anstecken, allerdings verläuft bei ihnen die Erkrankung meist milder.

Ansteckung

  • Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt, Kot, Feder- und Hautpartikel.

Typische Symptome

Akuter Verlauf

  • Bei Küken: abgestorbene Embryonen, Kükensterben, vergrößerter Bauch, Blutungen, Gelbsucht‑ähnliche Hautverfärbung.

Chronischer Verlauf

  • Bei überlebenden Jungvögeln: fehlende oder deformierte Schwung- und Schwanzfedern, kein normaler Flug, teils Ausfall des Körpergefieders.
  • Weiterhin kann es zu Organveränderungen an Herz, Leber, Nieren usw. kommen.

Diagnose und Prognose

  • Ein sicherer Nachweis ist nur durch einen entsprechenden Test auf Polyomaviren möglich.
  • Es gibt keine Therapie gegen das Virus. Behandelt werden v. a. Sekundärinfektionen und allgemeine Stabilisierung (Haltung, Fütterung, Stressreduktion).
  • Überlebende Vögel können lebenslang symptomlose Virusträger bleiben und andere Tiere anstecken.

Vorsorge

  • Neuzugänge grundsätzlich in Quarantäne halten (mindestens 2–4 Wochen)
  • Eingangsuntersuchung – ggf. mit Tests – bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Keine Zucht mit infizierten Sittichen und Papageien!

Eingangsuntersuchung

Eine Eingangsuntersuchung bei Sittichen ist ein gründlicher Gesundheitscheck beim vogelkundigen Tierarzt, den man idealerweise kurz nach dem Einzug eines neuen Vogels durchführen lässt.

Dieser wird oft kombiniert mit einer Quarantäne bis zum Vorliegen der Untersuchungsergebnisse.

Warum eine Eingangsuntersuchung

  • Ein neuer Vogel kann unbemerkt Krankheiten und Parasiten mitbringen, die andere Vögel anstecken können.
  • Der Stress durch den Transport und den Umzug schwächt das Immunsystem, sodass verborgene Erkrankungen leichter „ausbrechen“ können.​
  • Früh erkannte Probleme lassen sich meist leichter und schonender behandeln.

Was umfasst die Eingangsuntersuchung?

  • Allgemein: Kontrolle des Gewichts, Abtasten von Brustmuskel und Bauch, Abhören von Herz und Atmung, Kontrolle von Atmung und Verhalten.
  • Gefieder und Haut: Zustand der Federn, Freiheit von Federlingen und Milben, Hautverfärbungen und Schwellungen
  • Kopf: Schnabelform und -länge, Nase und Wachshaut, Augen und Ohren
  • Kloake: Prüfung auf Sauberkeit und ggf. vorhandene Reizungen.
  • Beine und Füße: Kontrolle von Fußballen, Krallenlänge und -stellung, evtl. Ringkontrolle.
  • Flügel: Durchsicht der Schwungfedern.

Generelle Laboruntersuchungen

  • Sammelkot über 3 Tage: Untersuchung auf innere Parasiten wie Würmer, Kokzidien.
  • Frischer Kot und Kloakenabstrich: Bakterien, Pilze, Megabakterien (Macrorhabdus), Spulwurmeier.
  • Kropfabstrich: Bakterien, Pilze, Trichomonaden.

Optionale Laboruntersuchungen

Diese werden normalerweise nur nach Anforderung durch den Halter durchgeführt.

  • Tests zur Geschlechtsbestimmung.
  • Tests auf Viruserkrankungen wie Cirkoviren (PBFD) und Polyomavirus (APV).
  • Tests auf Chlamydien (Papageienkrankheit).