Trichomonaden

Erreger

Trichomonaden sind Protozoen (Geißeltierchen), die den Rachen, den Kropf und sowie den oberen Verdauungstrakt befallen. Bei Sittichen ist vor allem Trichomonas gallinae relevant.

Ansteckung

  • Übertragung erfolgt über kontaminiertes Wasser oder Futter.
  • Häufig bei der Fütterung von Jungtieren durch infizierte Eltern.
  • Ebenso durch direkte Schnabel-zu-Schnabel-Fütterung (Partnerfüttern!).

Typische Symptome

  • Schluckbeschwerden, häufiges Schütteln des Kopfes, Würgen und Erbrechen.
  • Weißlich-gelbliche Beläge im Rachen oder Kropf.
  • Typischer „fauliger Geruch“ aus dem Schnabel.
  • Gewichtsverlust und/oder Apathie.

Diagnose und Prognose

  • Nachweis durch Kropfabstrich beim vogelkundigen Tierarzt.
  • Behandlung mit Metronidazol oder Ronidazol möglich, aber die Dosierung ist wichtig.
  • Bei früher Behandlung bestehen gute Heilungschancen.
  • Alle Vögel im Bestand sollten behandelt werden.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung mit Kropfabstrich bei Neuzugängen.
  • Regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Näpfe.
  • Keine Zucht mit infizierten Tieren!

Psittakose (Papageienkrankheit)

Erreger


Das intrazelluläre Bakterium Chlamydia psittaci (früher auch Chlamydophila psittaci) verursacht bei Sittichen und Papageien die sogenannte Psittakose (Papageienkrankheit).

Ansteckung

  • Übertragung über Kot, Federstaub, Nasensekret und Augensekret.
  • Auch über die Luft übertragbar (getrockneter Kot, Staub).
  • Wichtig: Übertragung auf Menschen möglich – insbesondere für immungeschwächte Personen gefährlich (Zoonose).

Typische Symptome

  • Atemwegsprobleme, Nasenausfluss, Augenentzündungen
  • Durchfall, oft gelblich-grüner Kot
  • Apathie und Futterverweigerung
  • Gewichtsverlust

Diagnose und Prognose

  • Nachweis über Kloakenabstrich, Rachenabstrich oder Kotprobe (oft sind mehrere Proben bzw. PCR-Tests nötig).
  • Behandlung erfolgt mit Antibiotika (meist Doxycyclin) über einen längeren Zeitraum (in der Regel mehrere Wochen).
  • Wichtig: Der gesamte Bestand muss behandelt werden.
  • Bei frühzeitiger Behandlung bestehen gute Heilungschancen.

Vorsorge

  • Eingangsuntersuchung – ggf. mit Tests – bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Keine Zucht mit infizierten Tieren!

Rechtliches

  • Psittakose ist in Deutschland meldepflichtig nach der Psittakose-Verordnung!
  • Die Meldung erfolgt in der Regel durch den behandelnden Tierarzt

Circoviren (PBFD)

Erreger

Die hochansteckenden Circoviren verursachen bei Sittichen und Papageien PBFD (Psittacine Beak and Feather Disease) bzw. die Schnabel‑ und Federkrankheit. Sie kommen weltweit vor.

Ansteckung

  • Übertragung über Kot, Federstaub sowie Nasen- und Augensekrete
  • Ansteckung häufig über die Luft (z. B. durch getrockneten Kot und Staub)
  • Übertragung auf Menschen möglich – auch gesunde Personen können erkranken, besonders gefährdet sind immungeschwächte Menschen

Typische Symptome

  • Abnormer Federverlust, fehlende, deformierte sowie brüchige Federn. Diese Symptome verschlimmern sich von Mauser zu Mauser.
  • Missbildungen an Schnabel und Krallen, übermäßiges Wachstum, Verfärbungen und Brüchigkeit.
  • Ein geschwächtes Immunsystem mit häufigen Sekundärinfektionen durch Bakterien oder Pilze.

Diagnose und Prognose

  • Ein sicherer Nachweis ist nur durch einen entsprechenden Test auf Circoviren möglich.
  • Es gibt keine Therapie gegen das Virus. Behandelt werden v. a. Sekundärinfektionen und es erfolgt eine verbesserte Nährstoffversorgung.
  • Ebenso ist eine konsequente Hygiene notwendig, da die Viren in der Umgebung lange überlebensfähig sind und so die Wiederansteckung und Verbreitung eingedämmt wird.

Vorsorge

  • Neuzugänge grundsätzlich in Quarantäne halten (mindestens 2–4 Wochen)
  • Eingangsuntersuchung – ggf. mit Tests – bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Keine Zucht mit infizierten Sittichen und Papageien!

Polyomavirus (APV)

Erreger

Polyomaviren sind hochansteckende Viren, an denen bei Sittichen und Papageien vor allem Jungtiere schwer erkranken können und die im Zusammenhang mit der „Französischen Mauser“ (Rennerkrankheit) oder dem „Budgeriger Fledgling Disease Virus (BFDV)“ bekannt sind.

Besonders betroffen sind Wellensittiche und Agaporniden. Es können sich aber auch Aras und Edelpapageien anstecken, allerdings verläuft bei ihnen die Erkrankung meist milder.

Ansteckung

  • Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt, Kot, Feder- und Hautpartikel.

Typische Symptome

Akuter Verlauf

  • Bei Küken: abgestorbene Embryonen, Kükensterben, vergrößerter Bauch, Blutungen, Gelbsucht‑ähnliche Hautverfärbung.

Chronischer Verlauf

  • Bei überlebenden Jungvögeln: fehlende oder deformierte Schwung- und Schwanzfedern, kein normaler Flug, teils Ausfall des Körpergefieders.
  • Weiterhin kann es zu Organveränderungen an Herz, Leber, Nieren usw. kommen.

Diagnose und Prognose

  • Ein sicherer Nachweis ist nur durch einen entsprechenden Test auf Polyomaviren möglich.
  • Es gibt keine Therapie gegen das Virus. Behandelt werden v. a. Sekundärinfektionen und allgemeine Stabilisierung (Haltung, Fütterung, Stressreduktion).
  • Überlebende Vögel können lebenslang symptomlose Virusträger bleiben und andere Tiere anstecken.

Vorsorge

  • Neuzugänge grundsätzlich in Quarantäne halten (mindestens 2–4 Wochen)
  • Eingangsuntersuchung – ggf. mit Tests – bei Neuzugängen und Quarantäne.
  • Keine Zucht mit infizierten Sittichen und Papageien!

Eingangsuntersuchung

Eine Eingangsuntersuchung bei Sittichen ist ein gründlicher Gesundheitscheck beim vogelkundigen Tierarzt, den man idealerweise kurz nach dem Einzug eines neuen Vogels durchführen lässt.

Dieser wird oft kombiniert mit einer Quarantäne bis zum Vorliegen der Untersuchungsergebnisse.

Warum eine Eingangsuntersuchung

  • Ein neuer Vogel kann unbemerkt Krankheiten und Parasiten mitbringen, die andere Vögel anstecken können.
  • Der Stress durch den Transport und den Umzug schwächt das Immunsystem, sodass verborgene Erkrankungen leichter „ausbrechen“ können.
  • Früh erkannte Probleme lassen sich meist leichter und schonender behandeln.

Was umfasst die Eingangsuntersuchung?

  • Allgemein: Kontrolle des Gewichts, Abtasten von Brustmuskel und Bauch, Abhören von Herz und Atmung, Kontrolle von Atmung und Verhalten.
  • Gefieder und Haut: Zustand der Federn, Freiheit von Federlingen und Milben, Hautverfärbungen und Schwellungen
  • Kopf: Schnabelform und -länge, Nase und Wachshaut, Augen und Ohren
  • Kloake: Prüfung auf Sauberkeit und ggf. vorhandene Reizungen.
  • Beine und Füße: Kontrolle von Fußballen, Krallenlänge und -stellung, evtl. Ringkontrolle.
  • Flügel: Durchsicht der Schwungfedern.

Generelle Laboruntersuchungen

  • Sammelkot über 3 Tage: Untersuchung auf innere Parasiten wie Würmer, Kokzidien.
  • Frischer Kot und Kloakenabstrich: Bakterien, Pilze, Megabakterien (Macrorhabdus), Spulwurmeier.
  • Kropfabstrich: Bakterien, Pilze, Trichomonaden.

Optionale Laboruntersuchungen

Diese werden normalerweise nur nach Anforderung durch den Halter durchgeführt.

  • Tests zur Geschlechtsbestimmung.
  • Tests auf Viruserkrankungen wie Cirkoviren (PBFD) und Polyomavirus (APV).
  • Tests auf Chlamydien (Papageienkrankheit).

Notfall-Apotheke

Bitte unbedingt die Hinweise bzgl. tierärztlicher Anweisung beachten!

Wichtige Telefonnummern und Basis-Ausrüstung

  • Telefonnummer eines vogelkundigen Tierarztes (inkl. Notdienst), am besten ausgedruckt an einer exponierten Stelle.
  • Transportbox
  • kleiner „Krankenkäfig“ für ruhige, warme Unterbringung.
  • Kescher, Handtuch oder kleines Tuch zum Einfangen und Fixieren.
  • Leichte Stoffhandschuhe (bei ängstlichen Tieren) oder Tuch, um Hände zu „verstecken“.
  • Kleine Taschenlampe, Pinzette, Schere.

Für Verletzungen, Wunden und Blutungen

  • Blutstiller, z. B. blutstillende Watte, Alginat-Watte, Kernseife oder spezielle Blutstopp-Produkte (niemals direkt in Augen oder Schnabel geben).
  • Wunddesinfektion ohne Alkohol (jodhaltige Lösungen wie z. B. Betaisodona, spezielle Wundsprays für Tiere).
  • Bepanthen-Lösung oder -Salbe für kleine Hautwunden, nicht großflächig aufs Gefieder auftragen.
  • Gazetupfer, Mullkompressen, Wattestäbchen, Verbandswatte zur Reinigung und zum vorsichtigen Abdecken.
  • Evtl. selbsthaftende elastische Binden (nur nach entsprechender Einweisung durch einen Tierarzt einsetzen).

Kreislauf, Flüssigkeit und Fütterung

  • Traubenzucker (z. B. Dextrose) zum Anrühren in Wasser zur schnellen Energiezufuhr bei geschwächten Vögeln.
  • Multivitaminpräparat für Vögel (nur zur vorübergehenden Unterstützung).
  • Elektrolytpulver (z. B. Elotrans) zum kurzfristigen Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten bei Durchfall oder nach starker Schwäche (nur nach Rücksprache mit Tierarzt geben).
  • Eiweißnährlösung bzw. Aminosäurenlösung (nach Empfehlung vom Tierarzt) für sehr geschwächte Tiere.
  • Fütterungsspritzen (ohne Nadel); Anwendung nur nach entsprechender Einweisung vom Tierarzt.

Magen-Darm, Vergiftung und ergänzende Mittel

  • Kamillentee, Fenchel-/Anistee, schwarzer Tee (Apothekenqualität) als Trinkwasserzusatz nach tierärztlicher Anweisung, z. B. bei leichten Verdauungsproblemen.
  • Vogelkohle, Heilerde, Kieselerde als kurzfristige, erste Maßnahme bei Durchfall oder leichten Vergiftungen – immer nur als Überbrückung.
  • Laktobazillen/Probiotika für Vögel zum Wiederaufbau der Darmflora (z. B. nach Antibiotika-Gabe, nur nach tierärztlicher Empfehlung).​

Schmerz- und „sanfte“ Mittel

  • Homöopathische Notfallmittel (z.B. Arnica Globuli, Traumeel, Bachblüten-Rescue-Tropfen/Globuli) werden häufig als unterstützende Erste Hilfe bei Schock, Prellungen oder kleineren Verletzungen verwendet.
  • Homöopathische Einzelmittel können in einer kleinen Notfallapotheke vorhanden sein, sollten aber nur nach Beratung mit einem vogelkundigen Therapeuten gezielt eingesetzt werden.​

Wichtig!

Viele „Schmerzmittel für Menschen“ (z. B. Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin) sind für Vögel gefährlich und dürfen nicht gegeben werden!



Allgemeine Hinweise

Bei starken Symptomen (Atemnot, starke Blutung, Lähmungen, Legenot, Verletzungen, massiver Durchfall, Erbrechen, aufgeplustert und apathisch) immer schnellstmöglich einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen.

Alle Medikamente (auch „pflanzliche“) nur nach Rücksprache mit einem vogelkundigen Tierarzt dosieren, da Vögel sehr empfindlich reagieren und falsche Dosierungen lebensgefährlich sein können.

Verletzte oder kranke Vögel – sowie natürlich auch gesunde – nie unnötig fangen. Das Fangen bedeutet zusätzlichen Stress, und gerade in einer solchen Situation sollte Stress soweit möglich, vermieden werden.

Für den verletzten/kranken Vogel eine möglichst ruhige, stressarme Umgebung schaffen. Wärme anbieten, z. B. mit einem Dunkelstrahler, jedoch mit ausreichendem Abstand, sodass der Vogel ausweichen kann.

Ebenso sollte man einen Quarantäne-/Krankenkäfig für den erkrankten Vogel bereithalten, um Ansteckungen und Stress zu minimieren.

Tipps zur Auswahl eines guten Tierarztes

Auf folgende Punkte sollte man bei der Auswahl eines Tierarztes unbedingt achten:

Vogelkundiger Tierarzt

Einen Hund oder eine Katze kann jeder Heimtierarzt behandeln. Aber bei Vögeln sieht es leider anders aus, ein Tierarzt der Sittiche und Papageien behandelt muss vogelkundig sein!

Dennoch hat nicht jeder vogelkundige Tierarzt die Zusatzbezeichnung „Fachtierarzt Zier-, Zoo- und Wildvögel“ oder ggf. „Fachtierarztbezeichnung Zier-, Zoo- und Wildvögel“. Ein vogelkundiger Tierarzt zeichnet sich u. a. aus durch:

Fachwissen und Erfahrung

  • kennt sich mit verschiedenen Vogelarten aus, nicht nur mit Wellen- und Nymphensittichen
  • kennt typische Vogelkrankheiten
  • hat entsprechende Fortbildungen besucht

Vor der Behandlung

  • erfragt Symptome etc.
  • erkennt Stress-Signale und -verhalten
  • erkundigt sich nach Haltung und Fütterung, gibt ggf. Empfehlungen

Diagnostik

  • führt Blutentnahmen, Kropf- und Kloakenabstriche artgerecht durch
  • kann Symptome richtig einordnen (z. B. Atemprobleme, Feder- oder Verhaltensauffälligkeiten)
  • vermeidet die direkte Gabe von Antibiotikum ohne genauere Untersuchung

Behandlung

  • hat entsprechende Medikamente für Vögel vor Ort
  • weiß über die Verträglichkeit der Medikamente Bescheid
  • kann kleinere Operationen selbst durchführen

Komunikation und Personal

  • erklärt Diagnosen und Behandlung
  • gibt ggf. klare Anweisungen für die Medikamentengabe zu Hause
  • hat Tipps für die Weiterbehandlung und ggf. gesonderte Behandlung/Fütterung etc.
  • die Mitarbeitenden sind an den Umgang mit gefiederten Patienten gewöhnt
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