Notfall-Apotheke

Bitte unbedingt die Hinweise bzgl. tierärztlicher Anweisung beachten!

Wichtige Telefonnummern und Basis-Ausrüstung

  • Telefonnummer eines vogelkundigen Tierarztes (inkl. Notdienst), am besten ausgedruckt an einer exponierten Stelle.
  • Transportbox
  • kleiner „Krankenkäfig“ für ruhige, warme Unterbringung.
  • Kescher, Handtuch oder kleines Tuch zum Einfangen und Fixieren.
  • Leichte Stoffhandschuhe (bei ängstlichen Tieren) oder Tuch, um Hände zu „verstecken“.​
  • Kleine Taschenlampe, Pinzette, Schere.

Für Verletzungen, Wunden und Blutungen

  • Blutstiller, z. B. blutstillende Watte, Alginat-Watte, Kernseife oder spezielle Blutstopp-Produkte (niemals direkt in Augen oder Schnabel geben).
  • Wunddesinfektion ohne Alkohol (jodhaltige Lösungen wie z. B. Betaisodona, spezielle Wundsprays für Tiere).
  • Bepanthen-Lösung oder -Salbe für kleine Hautwunden, nicht großflächig aufs Gefieder auftragen.
  • Gazetupfer, Mullkompressen, Wattestäbchen, Verbandswatte zur Reinigung und zum vorsichtigen Abdecken.
  • Evtl. selbsthaftende elastische Binden (nur nach entsprechender Einweisung durch einen Tierarzt einsetzen).

Kreislauf, Flüssigkeit und Fütterung

  • Traubenzucker (z. B. Dextrose) zum Anrühren in Wasser zur schnellen Energiezufuhr bei geschwächten Vögeln.
  • Multivitaminpräparat für Vögel (nur zur vorübergehenden Unterstützung).
  • Elektrolytpulver (z. B. Elotrans) zum kurzfristigen Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten bei Durchfall oder nach starker Schwäche (nur nach Rücksprache mit Tierarzt geben).
  • Eiweißnährlösung bzw. Aminosäurenlösung (nach Empfehlung vom Tierarzt) für sehr geschwächte Tiere.
  • Fütterungsspritzen (ohne Nadel); Anwendung nur nach entsprechender Einweisung vom Tierarzt.

Magen-Darm, Vergiftung und ergänzende Mittel

  • Kamillentee, Fenchel-/Anistee, schwarzer Tee (Apothekenqualität) als Trinkwasserzusatz nach tierärztlicher Anweisung, z. B. bei leichten Verdauungsproblemen.
  • Vogelkohle, Heilerde, Kieselerde als kurzfristige, erste Maßnahme bei Durchfall oder leichten Vergiftungen – immer nur als Überbrückung.
  • Laktobazillen/Probiotika für Vögel zum Wiederaufbau der Darmflora (z. B. nach Antibiotika-Gabe, nur nach tierärztlicher Empfehlung).​

Schmerz- und „sanfte“ Mittel

  • Homöopathische Notfallmittel (z.B. Arnica Globuli, Traumeel, Bachblüten-Rescue-Tropfen/Globuli) werden häufig als unterstützende Erste Hilfe bei Schock, Prellungen oder kleineren Verletzungen verwendet.
  • Homöopathische Einzelmittel können in einer kleinen Notfallapotheke vorhanden sein, sollten aber nur nach Beratung mit einem vogelkundigen Therapeuten gezielt eingesetzt werden.​

Wichtig!

Viele „Schmerzmittel für Menschen“ (z. B. Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin) sind für Vögel gefährlich und dürfen nicht gegeben werden!



Allgemeine Hinweise

Bei starken Symptomen (Atemnot, starke Blutung, Lähmungen, Legenot, Verletzungen, massiver Durchfall, Erbrechen, aufgeplustert und apathisch) immer schnellstmöglich einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen.

Alle Medikamente (auch „pflanzliche“) nur nach Rücksprache mit einem vogelkundigen Tierarzt dosieren, da Vögel sehr empfindlich reagieren und falsche Dosierungen lebensgefährlich sein können.

Verletzte oder kranke Vögel – sowie natürlich auch gesunde – nie unnötig fangen. Das Fangen bedeutet zusätzlichen Stress, und gerade in einer solchen Situation sollte Stress soweit möglich, vermieden werden.

Für den verletzten/kranken Vogel eine möglichst ruhige, stressarme Umgebung schaffen. Wärme anbieten, z. B. mit einem Dunkelstrahler, jedoch mit ausreichendem Abstand, sodass der Vogel ausweichen kann.

Ebenso sollte man einen Quarantäne-/Krankenkäfig für den erkrankten Vogel bereithalten, um Ansteckungen und Stress zu minimieren.

Tipps zur Auswahl eines guten Tierarztes

Auf folgende Punkte sollte man bei der Auswahl eines Tierarztes unbedingt achten:

Vogelkundiger Tierarzt

Einen Hund oder eine Katze kann jeder Heimtierarzt behandeln. Aber bei Vögeln sieht es leider anders aus, ein Tierarzt der Sittiche und Papageien behandelt muss vogelkundig sein!

Dennoch hat nicht jeder vogelkundige Tierarzt die Zusatzbezeichnung „Fachtierarzt Zier-, Zoo- und Wildvögel“ oder ggf. „Fachtierarztbezeichnung Zier-, Zoo- und Wildvögel“. Ein vogelkundiger Tierarzt zeichnet sich u. a. aus durch:

Fachwissen und Erfahrung

  • kennt sich mit verschiedenen Vogelarten aus, nicht nur mit Wellen- und Nymphensittichen
  • kennt typische Vogelkrankheiten
  • hat entsprechende Fortbildungen besucht

Vor der Behandlung

  • erfragt Symptome etc.
  • erkennt Stress-Signale und -verhalten
  • erkundigt sich nach Haltung und Fütterung, gibt ggf. Empfehlungen

Diagnostik

  • führt Blutentnahmen, Kropf- und Kloakenabstriche artgerecht durch
  • kann Symptome richtig einordnen (z. B. Atemprobleme, Feder- oder Verhaltensauffälligkeiten)
  • vermeidet die direkte Gabe von Antibiotikum ohne genauere Untersuchung

Behandlung

  • hat entsprechende Medikamente für Vögel vor Ort
  • weiß über die Verträglichkeit der Medikamente Bescheid
  • kann kleinere Operationen selbst durchführen

Komunikation und Personal

  • erklärt Diagnosen und Behandlung
  • gibt ggf. klare Anweisungen für die Medikamentengabe zu Hause
  • hat Tipps für die Weiterbehandlung und ggf. gesonderte Behandlung/Fütterung etc.
  • die Mitarbeitenden sind an den Umgang mit gefiederten Patienten gewöhnt