Der Einzug in ein neues Zuhause ist für jeden Sittich eine ungewohnte und oft belastende Situation. Neue Geräusche, fremde Menschen und eine ungewohnte Umgebung erfordern Anpassung – Zeit und Ruhe sind die wichtigsten Begleiter in dieser sensiblen Anfangsphase.
Transport und Ankunft
- Vogel möglichst zügig und stressfrei nach Hause bringen.
- Transportbox vorsichtig und ohne hektische Bewegungen vor die geöffnete Käfigtür halten.
- Vogel selbstständig in den Käfig schlüpfen lassen.
- Käfigtür sofort schließen, sobald der Vogel drin ist.
Die ersten Tage
- Neuer Vogel sollte möglichst ungestört ankommen dürfen – idealerweise ersten Tag in Ruhe lassen.
- Blicke, Stimmen und Bewegungen im Raum nimmt er sehr genau wahr.
- Hektik oder übertriebene Aufmerksamkeit können Unsicherheit verstärken.
- Ruhige Beobachtung aus der Distanz statt ständiger Nähe.
- Wichtig: Käfig sollte bereits vollständig eingerichtet sein, bevor der Vogel einzieht.
Sicherer Platz und Orientierung
- Geschützter Standort: Der Sittich sollte seine Umgebung gut überblicken können – erhöhte Position bevorzugen.
- Annäherung nie von oben: Von oben nähern macht Vögeln Angst (Greifvogelreflex).
- Ruhiger Raum: Dennoch sollten alltägliche Geräusche des Haushalts hörbar sein, damit sich der Vogel an die neue Atmosphäre gewöhnen kann.
- Gleichbleibende Abläufe: Feste Futterzeiten, regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus und konstantes Licht tragen zur Orientierung bei.
- Nachtlicht: Schwache Lampe (z.B. Babyleuchte) brennen lassen, damit der Vogel bei ungewohnten Geräuschen etwas sehen kann.
- Diese Routine hilft, Vertrauen zu schaffen und Stress abzubauen.
Futter und Trinken in der Anfangszeit
- Normal: In den ersten Tagen fressen und trinken viele Vögel weniger oder fast gar nicht.
- Keinen Zwang ausüben – ausreichend Futter und frisches Wasser bereitstellen.
- Bei Unsicherheit: Kolbenhirse auf den Boden streuen, zusätzliche Wasserschale anbieten, Frischfutter anfeuchten.
- Warnsignal: Wenn der Vogel nach 12 Stunden weder frisst noch trinkt und keinen Kot absetzt → sofort vogelkundigen Tierarzt kontaktieren.
Langsame Annäherung
- Erst beginnen, wenn der Sittich aufmerksam, neugierig und aktiv wirkt.
- Positive Signale: Putzt sich ausgiebig, pickt Körner, knabbert an Einrichtung, beginnt zu zwitschern.
- Leises Sprechen aus einiger Entfernung oder ruhige Handbewegungen signalisieren Sicherheit.
- Rituale einführen: Morgens mit freundlichen Worten und Namen begrüßen, abends verabschieden.
- Bei Futter- und Wasserwechsel ruhig mit dem Vogel sprechen – stumme Hand macht mehr Angst.
- Jeder Kontakt sollte vom Tier ausgehen – Zwang oder schnelle Bewegungen vermeiden.
- Keine erzwungene Nähe oder Berührungen in den ersten Tagen.
Quarantäne bei Neuzugang
- Bei bestehendem Vogelbestand: Neuzugang für 14 Tage in separatem Raum halten.
- Schützt vorhandene Vögel vor eingeschleppten Krankheiten und Parasiten.
- Auch bei scheinbar gesundem Vogel durchführen.
- Ergebnisse der Eingangsuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt abwarten.
- Nach Quarantäne langsame Zusammenführung (siehe separate Kategorie „Vergesellschaftung“).
Erster Freiflug
- Frühestens nach 5-7 Tagen, wenn der Vogel seine Umgebung beobachtet hat.
- Nicht zu früh – Vogel ist sonst zu nervös und findet möglicherweise nicht zurück in den Käfig.
- Voraussetzung: Vogel weicht nicht mehr ängstlich vor der Hand zurück.
- Während der Eingewöhnungszeit kein Freiflug – Verletzungs- und Panikgefahr zu groß.
- Käfigtür öffnen und Vogel selbst entscheiden lassen, ob und wann er herauskommt.
- Raum muss vogelsicher sein (Fenster gesichert, Gefahrenquellen beseitigt).
Wichtige Grundregeln
- Dauer: Eingewöhnung kann mehrere Tage bis Wochen dauern – jeder Vogel hat sein eigenes Tempo.
- Geduld ist der Schlüssel.
- Beobachtung und Einfühlungsvermögen helfen, die Signale des Tieres richtig zu deuten.
- Mit Ruhe und Konsequenz entwickelt sich Schritt für Schritt die Basis für ein entspanntes Miteinander.