Im Juli lag der Schwerpunkt auf dem Thema „Anschaffung & Vermittlung“. Dabei wurde aufgezeigt, wie wichtig eine sorgfältige Auswahl und ein verantwortungsvoller Umgang bereits vor der Aufnahme eines Tieres sind.
Im nächsten Monat folgt die Kategorie „Tierschutz“. Hier geht es darum, wie das Wohl der Tiere über die reine Haltung hinaus gesichert werden kann – unter anderem durch den Umgang mit Notfallaufnahmen und gezielte Maßnahmen zum Schutz und zur langfristigen Sicherung artgerechter Bedingungen.
Ich nehme selbst in begrenztem Umfang Sittiche auf – ausschließlich Arten, die selbst gehalten werden. Besonderen Notfällen (flugeingeschränkt, behindert) steht eigentlich immer ein Platz offen.
Erfahrung mit Abgabevögeln
Ein Großteil meiner Wellensittiche und ein Teil der Bourkesittiche stammen aus Abgaben – darunter auch Tiere mit Flug- oder anderen Einschränkungen. Ich verfüge daher über umfassende praktische Erfahrung im Umgang mit solchen Vögeln.
Ausstattung des Vogelzimmers
Das Vogelzimmer ist entsprechend behindertengerecht ausgestattet:
Niedrige Sitzstangen für eingeschränkte Vögel
Weiche Bodenbeläge
Separate Quarantänebereiche
Begrenzte Aufnahme-Kapazität
Meine Aufnahme-Kapazität ist begrenzt, insbesondere für gesunde Wellensittiche. Die wenigen Plätze sind daher mit Priorität vorgehalten für:
Bourke- und Schmucksittiche
Sittiche mit Flugbehinderung oder Verletzungen
Darüber hinaus unterstütze ich gern bei der Vermittlung an andere Aufnahmestellen und übernehme auch Transporte.
Ablauf einer Aufnahme
Kontaktaufnahme per E-Mail
Fotos + kurze Vorgeschichte zusenden
Hilfe bei akuten Notfällen – sofortige Beratung
Quarantäne + Eingangsuntersuchung – sofern die Sittiche bei mir verbleiben
Bei Transporten und vorübergehender Unterbringung obliegt dies der aufnehmenden Stelle
Die Entscheidung für ein Tier sollte immer gut überlegt sein. In der Praxis zeigen sich jedoch immer wieder ähnliche Fehler, die sich vermeiden lassen.
Unüberlegte Entscheidungen
Spontane Anschaffungen – sei es aus Mitleid, Begeisterung oder Gelegenheit – führen häufig zu Problemen. Ohne ausreichende Vorbereitung fehlt oft das notwendige Wissen für eine artgerechte Haltung.
Unpassende Auswahl
Nicht jeder Vogel passt zu jeder Lebenssituation. Unterschiede in Lautstärke, Aktivität, Sozialverhalten und Pflegeaufwand werden häufig unterschätzt. Das kann langfristig zu Überforderung führen.
Fehlende Information
Unkenntnis über Ernährung, Haltung und Gesundheitsvorsorge ist eine der häufigsten Ursachen für Probleme. Wer sich vorab nicht ausreichend informiert, riskiert Fehler, die sich negativ auf das Tier auswirken.
Kosten unterschätzen
Neben den einmaligen Anschaffungskosten fallen regelmäßig laufende Ausgaben an – etwa für Futter, Ausstattung und tierärztliche Versorgung. Diese monatlichen Kosten werden häufig zu niedrig angesetzt.
Ebenso wichtig ist eine finanzielle Notfallrücklage. Unerwartete Erkrankungen oder Behandlungen können schnell höhere Kosten verursachen. Wer hier nicht vorbereitet ist, gerät im Ernstfall unter Druck – oft zulasten des Tieres.
Kurzfristiges Denken
Tiere begleiten ihre Halter oft über viele Jahre. Zeitaufwand, Kosten und Verantwortung werden dabei häufig unterschätzt. Eine Anschaffung sollte immer langfristig geplant sein.
Konsequenzen für das Tier
Fehlentscheidungen führen nicht selten zu erneuten Abgaben oder zu Haltungsbedingungen, die nicht den Bedürfnissen des Tieres entsprechen. Das bedeutet Stress und Unsicherheit für die Tiere.
Eine Abgabe – aus welchen Gründen auch immer – ist für die bisherigen Halter oft ein schwieriger Schritt.
Verantwortungsvoll und tiergerecht
Die Vermittlung von Sittichen erfordert besondere Sorgfalt. Ein neues Zuhause soll nicht nur gefunden, sondern langfristig zum Wohl des Vogels passen – unter Berücksichtigung von Gesundheit, Sozialverhalten und Haltungsbedingungen.
Was eine gute Vermittlung ausmacht
Entscheidend sind klare Kriterien: Gesundheitszustand des Vogels, Kompatibilität mit Artgenossen, Erfahrung des neuen Halters und vorhandene Bestände im Zuhause. Neue Halter müssen bereit sein, Quarantäne und ggf. getrennte Haltung umzusetzen.
Gesundheit und Bestandsschutz
Bei unklarem Status oder bekannten Risiken steht der Schutz gesunder Schwärme im Vordergrund. Daher gilt – ebenso wie bei neuen Vögeln vom Züchter – auch hier: eine Eingangsuntersuchung ist Pflicht!
Transparenz gegenüber neuen Haltern
Vollständige Offenlegung der Vorgeschichte ist Pflicht: Verhalten, Gesundheitsdaten und Besonderheiten. Nur so vermeiden sich mehrfache Abgaben und unpassende Zuordnungen.
Vermittlung mit Blick aufs Tierwohl
Ziel ist ein dauerhaftes, stabiles Zuhause – keine schnelle Abgabe. Jede Vermittlung prüft, ob der Vogel und das neue Umfeld harmonieren und verantwortungsvolle Pflege gewährleistet ist.
Nachbetreuung und Verantwortung
Auch nach der Vermittlung endet die Verantwortung nicht vollständig. Ein offener Austausch zwischen bisherigen und neuen Haltern kann helfen, die Eingewöhnung zu begleiten und frühzeitig auf mögliche Probleme zu reagieren.
Vorbereitung auf den Ernstfall
Neue Halter sollten sich bereits vor der Aufnahme Gedanken über mögliche Notfälle machen. Dazu gehören die schnelle Erreichbarkeit eines vogelkundigen Tierarztes sowie die Bereitschaft, im Bedarfsfall zeitnah zu handeln. Eine gute Vorbereitung hilft, Risiken zu minimieren und dem Tier auch in Ausnahmesituationen gerecht zu werden.
Die Aufnahme eines Vogels aus einem Tierheim oder aus privater Vermittlung ist eine verantwortungsvolle Entscheidung – und oft eine zweite Chance für das Tier.
Chancen und Verantwortung
Viele abgegebene Vögel bringen bereits Erfahrungen mit, die bei der weiteren Haltung berücksichtigt werden müssen. Gleichzeitig bieten sie die Möglichkeit, einem Tier ein stabiles und dauerhaftes Zuhause zu geben.
Auswahl mit Sorgfalt
Auch bei der Adoption gilt: Nicht jeder Vogel passt zu jedem Halter. Gesundheitszustand, Verhalten und bisherige Haltung sollten sorgfältig geprüft werden. Ebenso wichtig ist die Einschätzung, ob das Tier in den vorhandenen Bestand integriert werden kann.
Seriosität der Vermittlung
Eine verantwortungsvolle Vermittlung zeichnet sich durch Transparenz und klare Anforderungen aus. Dazu gehören Angaben zur Vorgeschichte, zum Gesundheitsstatus und zu besonderen Bedürfnissen des Vogels. Vermittler sollten bereit sein, Fragen zu beantworten und sich ein Bild vom neuen Zuhause zu machen.
Eingewöhnung und Geduld
Gerade Tiere aus zweiter Hand benötigen oft Zeit, um sich an neue Bedingungen zu gewöhnen. Geduld, Beobachtung und ein ruhiger Umgang sind entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und Stress zu vermeiden.
Ziel: ein dauerhaftes Zuhause
Im Mittelpunkt steht immer das Tierwohl. Eine erfolgreiche Vermittlung ist dann erreicht, wenn der Vogel langfristig stabil untergebracht ist und seine Bedürfnisse dauerhaft erfüllt werden.
Im Mai und Juni stand der Bereich „Haltung & Umgang“ im Mittelpunkt. Unterkategorien wurden angepasst und neue Beiträge zu geeignetem und ungeeignetem Material für Käfige, Spielzeug und Einrichtung veröffentlicht.
Aufbauend auf diesen Grundlagen widmet sich die Serie nun der Kategorie „Anschaffung & Vermittlung“. Denn bereits die Wahl des richtigen Tieres und ein verantwortungsvoller Vermittlungsprozess legen den Grundstein für eine langfristig artgerechte Haltung.
Die Kosten für die Haltung von Kleinsittichen sollten immer für mindestens 2 Vögel geplant werden, da Einzelhaltung tierschutzwidrig ist.
Monatliche Kosten
Auch wenn Wellensittiche und andere Kleinsittiche „relativ“ pflegeleichte Haustiere sind, fallen aber dennoch regelmäßige Ausgaben an. Diese muss man nicht überschätzen, aber eben auch nicht ignorieren.
Auch kleine Sittiche benötigen hochwertiges Futter, um vital zu bleiben. Billigprodukte sind oft mit billigen Samen und Bäckereinebenerzeugnissen gestreckt. Dies kann sich ggf. in gesundheitlichen Problemen und somit höheren Tierarztkosten bemerkbar machen.
Persönliche Budgetierung
Eine monatlich eingeplante Pauschale ist die vernünftigste Lösung, um die laufenden Ausgaben einzuplanen.
Laufende Kosten im Detail
Kosten-Tabelle (pro Monat, 2 kleine Sittiche)
Ausgabenposten
2 Sittiche
4 Sittiche
8 Sittiche
Körnermischungen 1)
2 €
4 €
8 €
Grünfutter 2)
3 €
6 €
12 €
Vitamine/Grit
2 €
3 €
4 €
Zubehör
3 €
4 €
6 €
UV-Beleuchtung 3)
4 €
4 €
8 €
Gesamt
14 €
21 €
38 €
Die vorgenannten Daten basieren auf folgenden Annahmen:
1) bei den Körnermischungen auf hochwertigem Futter – siehe auch unter Könermischungen – aus dem Spezial-Zoohandel.
2) Beim Grünfutter ist zugrunde gelegt, dass es sich meistens um Gemüse und Obst für den menschlichen Verzehr handelt.
3) Bei der UV-Beleuchtung zum einen der Stromverbrauch gerechnet, bei 2 und 4 Sittichen eine 15W und bei 8 Sittichen 2x 15W mit einer Einschaltdauer von täglich 12h, aber auch der jährliche Wechsel der Leuchtstofflampen.
Kostenübersicht und Skalierung
Die Kosten steigen mit der Anzahl der Vögel, aber nicht linear. Bestimmte Fixkosten wie UV-Beleuchtung bleiben bis zu einer bestimmten Anzahl gleich oder steigen nur proportional bei Verdopplung der Tiere.
Skalierungseffekte:
• Futter und Grünfutter skalieren nahezu linear mit der Anzahl der Vögel • Vitamine und Grit steigen moderat (nicht ganz linear) • Zubehör skaliert weniger stark (Spielzeug kann von mehreren Vögeln genutzt werden) • UV-Beleuchtung bleibt konstant bis zur Verdopplung der Käfig- bzw. Volierengröße
Fazit: Monatliche Kosten für Kleinsittiche richtig planen
Eine artgerechte Haltung von Kleinsittichen ist mit überschaubaren monatlichen Kosten verbunden. Für 2 Sittiche sollten Sie mit mindestens 14 € pro Monat rechnen. Bei 4 Sittichen sind es 21 € monatlich.
Diese Kosten decken die lediglich die Grundversorgung ab. Zusätzliche Ausgaben wie Tierarztkosten, Käfiganschaffung oder besonderes Spielzeug sollten separat eingeplant werden.
Die Zusammenführung von Sittichen erfordert Geduld und sorgfältige Beobachtung. Auch friedliche Vögel müssen sich erst aneinander gewöhnen und eine Rangordnung klären.
Warum Vergesellschaftung wichtig ist
Sittiche sind Schwarmvögel und benötigen Artgenossen für ein artgerechtes Leben.
Einzelhaltung ist nicht tiergerecht – ein Mensch kann keinen Vogelpartner ersetzen.
Nach dem Tod eines Partners muss zeitnah ein neuer Gefährte gefunden werden.
Voraussetzungen für erfolgreiche Vergesellschaftung
Quarantäne abgeschlossen: Neuzugang muss 14 Tage separiert worden sein.
Gesundheitscheck: Negative Befunde der Eingangsuntersuchung liegen vor.
Beide Vögel gesund: Keine akuten Erkrankungen oder Verletzungen.
Ausreichend Platz: Genug Raum, Futter- und Sitzplätze für alle Vögel.
Grundregeln der Zusammenführung
Alteingesessener Vogel betrachtet Käfig als sein Revier – Neuling wird zunächst als Eindringling gesehen.
Besitzdenken bei Futter, Spielzeug und Lieblingsplätzen ist normal.
Mit Streitigkeiten in der Anfangsphase rechnen – gehört zur Klärung der Rangordnung.
Großzügige Voliere: In großen Volieren mit viel Platz ist Vergesellschaftung meist problemloser.
Schrittweise Annäherung
Käfige nebeneinander stellen: Beide Vögel können sich aus sicherer Entfernung kennenlernen.
Sichtkontakt ermöglichen: Vögel sehen und hören sich, können aber nicht aufeinander los.
Gemeinsamer Freiflug: Nach einigen Tagen beide gleichzeitig fliegen lassen.
Beobachten, wie sie miteinander umgehen – bei friedlichem Verhalten Kontakt intensivieren.
Zusammensetzen: Wenn beide entspannt wirken, können sie in einen gemeinsamen Käfig (idealerweise neutral, nicht der alte Käfig).
Im täglichen Miteinander kommt es auf Verständnis, Gelassenheit und Respekt an. Sittiche reagieren empfindlich auf Stimmung, Tonfall und Gestik – ein bewusster Umgang fördert Vertrauen und Wohlbefinden.
Der Einzug in ein neues Zuhause ist für jeden Sittich eine ungewohnte und oft belastende Situation. Neue Geräusche, fremde Menschen und eine ungewohnte Umgebung erfordern Anpassung – Zeit und Ruhe sind die wichtigsten Begleiter in dieser sensiblen Anfangsphase.
Transport und Ankunft
Vogel möglichst zügig und stressfrei nach Hause bringen.
Transportbox vorsichtig und ohne hektische Bewegungen vor die geöffnete Käfigtür halten.
Vogel selbstständig in den Käfig schlüpfen lassen.
Käfigtür sofort schließen, sobald der Vogel drin ist.
Die ersten Tage
Neuer Vogel sollte möglichst ungestört ankommen dürfen – idealerweise ersten Tag in Ruhe lassen.
Blicke, Stimmen und Bewegungen im Raum nimmt er sehr genau wahr.
Hektik oder übertriebene Aufmerksamkeit können Unsicherheit verstärken.
Ruhige Beobachtung aus der Distanz statt ständiger Nähe.
Wichtig: Käfig sollte bereits vollständig eingerichtet sein, bevor der Vogel einzieht.
Sicherer Platz und Orientierung
Geschützter Standort: Der Sittich sollte seine Umgebung gut überblicken können – erhöhte Position bevorzugen.
Annäherung nie von oben: Von oben nähern macht Vögeln Angst (Greifvogelreflex).
Ruhiger Raum: Dennoch sollten alltägliche Geräusche des Haushalts hörbar sein, damit sich der Vogel an die neue Atmosphäre gewöhnen kann.
Gleichbleibende Abläufe: Feste Futterzeiten, regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus und konstantes Licht tragen zur Orientierung bei.
Nachtlicht: Schwache Lampe (z.B. Babyleuchte) brennen lassen, damit der Vogel bei ungewohnten Geräuschen etwas sehen kann.
Diese Routine hilft, Vertrauen zu schaffen und Stress abzubauen.
Futter und Trinken in der Anfangszeit
Normal: In den ersten Tagen fressen und trinken viele Vögel weniger oder fast gar nicht.
Keinen Zwang ausüben – ausreichend Futter und frisches Wasser bereitstellen.
Bei Unsicherheit: Kolbenhirse auf den Boden streuen, zusätzliche Wasserschale anbieten, Frischfutter anfeuchten.
Warnsignal: Wenn der Vogel nach 12 Stunden weder frisst noch trinkt und keinen Kot absetzt → sofort vogelkundigen Tierarzt kontaktieren.
Langsame Annäherung
Erst beginnen, wenn der Sittich aufmerksam, neugierig und aktiv wirkt.
Positive Signale: Putzt sich ausgiebig, pickt Körner, knabbert an Einrichtung, beginnt zu zwitschern.
Leises Sprechen aus einiger Entfernung oder ruhige Handbewegungen signalisieren Sicherheit.
Rituale einführen: Morgens mit freundlichen Worten und Namen begrüßen, abends verabschieden.
Bei Futter- und Wasserwechsel ruhig mit dem Vogel sprechen – stumme Hand macht mehr Angst.
Jeder Kontakt sollte vom Tier ausgehen – Zwang oder schnelle Bewegungen vermeiden.
Keine erzwungene Nähe oder Berührungen in den ersten Tagen.
Quarantäne bei Neuzugang
Bei bestehendem Vogelbestand: Neuzugang für 14 Tage in separatem Raum halten.
Schützt vorhandene Vögel vor eingeschleppten Krankheiten und Parasiten.