Im Mai und Juni stand der Bereich „Haltung & Umgang“ im Mittelpunkt. Unterkategorien wurden angepasst und neue Beiträge zu geeignetem und ungeeignetem Material für Käfige, Spielzeug und Einrichtung veröffentlicht.
Aufbauend auf diesen Grundlagen widmet sich die Serie nun der Kategorie „Anschaffung & Vermittlung“. Denn bereits die Wahl des richtigen Tieres und ein verantwortungsvoller Vermittlungsprozess legen den Grundstein für eine langfristig artgerechte Haltung.
Die Kosten für die Haltung von Kleinsittichen sollten immer für mindestens 2 Vögel geplant werden, da Einzelhaltung tierschutzwidrig ist.
Monatliche Kosten
Auch wenn Wellensittiche und andere Kleinsittiche „relativ“ pflegeleichte Haustiere sind, fallen aber dennoch regelmäßige Ausgaben an. Diese muss man nicht überschätzen, aber eben auch nicht ignorieren.
Auch kleine Sittiche benötigen hochwertiges Futter, um vital zu bleiben. Billigprodukte sind oft mit billigen Samen und Bäckereinebenerzeugnissen gestreckt. Dies kann sich ggf. in gesundheitlichen Problemen und somit höheren Tierarztkosten bemerkbar machen.
Persönliche Budgetierung
Eine monatlich eingeplante Pauschale ist die vernünftigste Lösung, um die laufenden Ausgaben einzuplanen.
Laufende Kosten im Detail
Kosten-Tabelle (pro Monat, 2 kleine Sittiche)
Ausgabenposten
2 Sittiche
4 Sittiche
8 Sittiche
Körnermischungen 1)
2 €
4 €
8 €
Grünfutter 2)
3 €
6 €
12 €
Vitamine/Grit
2 €
3 €
4 €
Zubehör
3 €
4 €
6 €
UV-Beleuchtung 3)
4 €
4 €
8 €
Gesamt
14 €
21 €
38 €
Die vorgenannten Daten basieren auf folgenden Annahmen:
1) bei den Körnermischungen auf hochwertigem Futter – siehe auch unter Könermischungen – aus dem Spezial-Zoohandel.
2) Beim Grünfutter ist zugrunde gelegt, dass es sich meistens um Gemüse und Obst für den menschlichen Verzehr handelt.
3) Bei der UV-Beleuchtung zum einen der Stromverbrauch gerechnet, bei 2 und 4 Sittichen eine 15W und bei 8 Sittichen 2x 15W mit einer Einschaltdauer von täglich 12h, aber auch der jährliche Wechsel der Leuchtstofflampen.
Kostenübersicht und Skalierung
Die Kosten steigen mit der Anzahl der Vögel, aber nicht linear. Bestimmte Fixkosten wie UV-Beleuchtung bleiben bis zu einer bestimmten Anzahl gleich oder steigen nur proportional bei Verdopplung der Tiere.
Skalierungseffekte:
• Futter und Grünfutter skalieren nahezu linear mit der Anzahl der Vögel • Vitamine und Grit steigen moderat (nicht ganz linear) • Zubehör skaliert weniger stark (Spielzeug kann von mehreren Vögeln genutzt werden) • UV-Beleuchtung bleibt konstant bis zur Verdopplung der Käfig- bzw. Volierengröße
Fazit: Monatliche Kosten für Kleinsittiche richtig planen
Eine artgerechte Haltung von Kleinsittichen ist mit überschaubaren monatlichen Kosten verbunden. Für 2 Sittiche sollten Sie mit mindestens 14 € pro Monat rechnen. Bei 4 Sittichen sind es 21 € monatlich.
Diese Kosten decken die lediglich die Grundversorgung ab. Zusätzliche Ausgaben wie Tierarztkosten, Käfiganschaffung oder besonderes Spielzeug sollten separat eingeplant werden.
Die Zusammenführung von Sittichen erfordert Geduld und sorgfältige Beobachtung. Auch friedliche Vögel müssen sich erst aneinander gewöhnen und eine Rangordnung klären.
Warum Vergesellschaftung wichtig ist
Sittiche sind Schwarmvögel und benötigen Artgenossen für ein artgerechtes Leben.
Einzelhaltung ist nicht tiergerecht – ein Mensch kann keinen Vogelpartner ersetzen.
Nach dem Tod eines Partners muss zeitnah ein neuer Gefährte gefunden werden.
Voraussetzungen für erfolgreiche Vergesellschaftung
Quarantäne abgeschlossen: Neuzugang muss 14 Tage separiert worden sein.
Gesundheitscheck: Negative Befunde der Eingangsuntersuchung liegen vor.
Beide Vögel gesund: Keine akuten Erkrankungen oder Verletzungen.
Ausreichend Platz: Genug Raum, Futter- und Sitzplätze für alle Vögel.
Grundregeln der Zusammenführung
Alteingesessener Vogel betrachtet Käfig als sein Revier – Neuling wird zunächst als Eindringling gesehen.
Besitzdenken bei Futter, Spielzeug und Lieblingsplätzen ist normal.
Mit Streitigkeiten in der Anfangsphase rechnen – gehört zur Klärung der Rangordnung.
Großzügige Voliere: In großen Volieren mit viel Platz ist Vergesellschaftung meist problemloser.
Schrittweise Annäherung
Käfige nebeneinander stellen: Beide Vögel können sich aus sicherer Entfernung kennenlernen.
Sichtkontakt ermöglichen: Vögel sehen und hören sich, können aber nicht aufeinander los.
Gemeinsamer Freiflug: Nach einigen Tagen beide gleichzeitig fliegen lassen.
Beobachten, wie sie miteinander umgehen – bei friedlichem Verhalten Kontakt intensivieren.
Zusammensetzen: Wenn beide entspannt wirken, können sie in einen gemeinsamen Käfig (idealerweise neutral, nicht der alte Käfig).
Im täglichen Miteinander kommt es auf Verständnis, Gelassenheit und Respekt an. Sittiche reagieren empfindlich auf Stimmung, Tonfall und Gestik – ein bewusster Umgang fördert Vertrauen und Wohlbefinden.
Der Einzug in ein neues Zuhause ist für jeden Sittich eine ungewohnte und oft belastende Situation. Neue Geräusche, fremde Menschen und eine ungewohnte Umgebung erfordern Anpassung – Zeit und Ruhe sind die wichtigsten Begleiter in dieser sensiblen Anfangsphase.
Transport und Ankunft
Vogel möglichst zügig und stressfrei nach Hause bringen.
Transportbox vorsichtig und ohne hektische Bewegungen vor die geöffnete Käfigtür halten.
Vogel selbstständig in den Käfig schlüpfen lassen.
Käfigtür sofort schließen, sobald der Vogel drin ist.
Die ersten Tage
Neuer Vogel sollte möglichst ungestört ankommen dürfen – idealerweise ersten Tag in Ruhe lassen.
Blicke, Stimmen und Bewegungen im Raum nimmt er sehr genau wahr.
Hektik oder übertriebene Aufmerksamkeit können Unsicherheit verstärken.
Ruhige Beobachtung aus der Distanz statt ständiger Nähe.
Wichtig: Käfig sollte bereits vollständig eingerichtet sein, bevor der Vogel einzieht.
Sicherer Platz und Orientierung
Geschützter Standort: Der Sittich sollte seine Umgebung gut überblicken können – erhöhte Position bevorzugen.
Annäherung nie von oben: Von oben nähern macht Vögeln Angst (Greifvogelreflex).
Ruhiger Raum: Dennoch sollten alltägliche Geräusche des Haushalts hörbar sein, damit sich der Vogel an die neue Atmosphäre gewöhnen kann.
Gleichbleibende Abläufe: Feste Futterzeiten, regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus und konstantes Licht tragen zur Orientierung bei.
Nachtlicht: Schwache Lampe (z.B. Babyleuchte) brennen lassen, damit der Vogel bei ungewohnten Geräuschen etwas sehen kann.
Diese Routine hilft, Vertrauen zu schaffen und Stress abzubauen.
Futter und Trinken in der Anfangszeit
Normal: In den ersten Tagen fressen und trinken viele Vögel weniger oder fast gar nicht.
Keinen Zwang ausüben – ausreichend Futter und frisches Wasser bereitstellen.
Bei Unsicherheit: Kolbenhirse auf den Boden streuen, zusätzliche Wasserschale anbieten, Frischfutter anfeuchten.
Warnsignal: Wenn der Vogel nach 12 Stunden weder frisst noch trinkt und keinen Kot absetzt → sofort vogelkundigen Tierarzt kontaktieren.
Langsame Annäherung
Erst beginnen, wenn der Sittich aufmerksam, neugierig und aktiv wirkt.
Positive Signale: Putzt sich ausgiebig, pickt Körner, knabbert an Einrichtung, beginnt zu zwitschern.
Leises Sprechen aus einiger Entfernung oder ruhige Handbewegungen signalisieren Sicherheit.
Rituale einführen: Morgens mit freundlichen Worten und Namen begrüßen, abends verabschieden.
Bei Futter- und Wasserwechsel ruhig mit dem Vogel sprechen – stumme Hand macht mehr Angst.
Jeder Kontakt sollte vom Tier ausgehen – Zwang oder schnelle Bewegungen vermeiden.
Keine erzwungene Nähe oder Berührungen in den ersten Tagen.
Quarantäne bei Neuzugang
Bei bestehendem Vogelbestand: Neuzugang für 14 Tage in separatem Raum halten.
Schützt vorhandene Vögel vor eingeschleppten Krankheiten und Parasiten.
Staubsauger mit HEPA: Verhindert, dass Staub beim Saugen wieder in die Luft gelangt.
Regelmäßige Reinigung: Böden, Möbel und Käfigumgebung häufig wischen.
Wichtig
Luftreiniger ersetzen nicht Lüften und Sauberhalten – sie ergänzen nur die Hygiene. Besonders sinnvoll bei Schlafzimmerhaltung oder Allergikern im Haushalt.
In dieser Kategorie findest du Materialien aus der Natur, die für den Kontakt mit Sittichen geeignet sind – von widerstandsfähigem Holz über pflanzliche Fasern bis hin zu natürlichen Stoffen. Sie fördern Beschäftigung, Bewegung und das natürliche Verhalten der Tiere.
Pflanzliche Naturmaterialien bilden die Grundlage einer artgerechten Umgebung für Sittiche. Sie schaffen Struktur und unterstützen Verhaltensweisen wie Klettern, Knabbern und Erkunden.
Alle Materialien sind naturbelassen und frei von chemischen Zusätzen.
Holz und Äste – Geeignete Baumarten für Sitzstangen und Spielmaterial
Materialien aus der Natur bieten Vögeln wertvolle Beschäftigungs- und Erkundungsmöglichkeiten. Sie fördern das natürliche Verhalten wie Knabbern, Klettern und Zerkleinern und tragen zur geistigen Auslastung und Zufriedenheit Deiner Sittiche bei.
Wichtig ist, dass alle Materialien unbehandelt, chemiefrei und sauber sind. Beschädigte oder stark verschmutzte Stücke sollten umgehend ausgetauscht werden, um Verletzungs- oder Gesundheitsrisiken zu vermeiden.
Ohne Einschränkungen verwendbar
Naturmaterialien
Apfel- oder Birnenzweige (besonders beliebt mt Knopsen oder frischen Blättern) – beliebt zum Zernagen
Birken-, Hasel- oder Weidenzweige (besonders beliebt mt Knopsen oder frischen Blättern) – beliebt zum Zernagen
Holunder (reif, trocken) – weich, beliebt zum Zernagen
Korkröhren / Korkstücke – weich, zum Sitzen und Zernagen
Birken-, Hasel- oder Weidenzweige (besonders beliebt mt Knopsen oder frischen Blättern) – beliebt zum Zernagen
Pflanzenfasern
Baumwolle (ungebleicht, unbehandelt) – weich, saugfähig, (z. B. zum Abpolstern von Sitzstangen etc.), muss regelmäßig gewechselt werden
Hanfseile – robust, ungiftig, ideal zum Klettern und für Hängeelemente
Jute – natürlich, leicht
Kokosfasern – faserstark
Sisal – kratzfest, besonders langlebig
Mit Einschränkungen verwendbar
Naturmaterialien
Bambus – sehr hart, regt auch zum zernagen an
Tannenzapfen (trocken und harzfrei) – regen zum Knabbern und Zernagen anregen
Pflanzenfasern
Palmenblätter – sehr langfaserig, daher nur kürze Stücke anbieten
Äste und Zweige sind ein ideales Naturmaterial für Sitzstangen und Beschäftigungsmöglichkeiten. Beim Sammeln sollte darauf geachtet werden, dass sie nur fernab viel befahrener Straßen oder belasteter Gebiete (z. B. Industrieanlagen) entnommen werden.
Vor der Verwendung müssen anhaftender Vogelkot und grober Schmutz gründlich entfernt werden. Moose und Flechten sind dagegen unbedenklich und können als zusätzliche Beschäftigung und Struktur belassen werden.
Optional können die Äste vor dem Einsatz mit heißem Wasser abgespült oder kurz erhitzt (Backofen, ca. 100 °C für 10–15 Minuten) werden, um eventuelle Parasiten abzutöten.
Ohne Einschränkungen verwendbar
Obstbäume
Apfel – ungiftig, hart
Birne – ungiftig, hart
Kirsche / Wildkirsche – ungiftig, hart
Pflaume / Zwetschge – ungiftig, hart
Laubbäume
Ahorn – ungiftig, hart
Birke ungiftig, weich bis mittelhart, beliebt bei Sittichen.